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Behandlung von Depressionen: SMB sieht leichten Vorteil bei Medikamenten

Zur Behandlung einer Depression stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, namentlich Psychotherapie und/oder eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva. In einem neuen HTA-Bericht untersuchte das Swiss Medical Board Wirksamkeit, Sicherheit, Nutzen-Risiko-Verhältnis und gesundheitsökonomische Eigenschaften der beiden Behandslungsoptionen. Auf Grundlage der vorliegenden Daten kommt das Swiss Medical Board zum Schluss, dass zur Behandlung einer schweren depressiven Störung nach der akuten Phase Antidepressiva auf jeden Fall und eine Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie unter gewissen Bedingungen zu empfehlen sind.

Die schwere depressive Störung ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen und stellt eine erhebliche gesellschaftliche und gesundheitsökonomische Belastung dar. Etwa eine von drei Personen über 15 Jahren in der Schweiz leidet im Laufe ihres Lebens an einer schweren depressiven Störung. Als Behandlung bieten sich Psychotherapie und/oder antidepressive Medikamente (ADM) an. Die Behandlung erfolgt in drei Phasen: einer Akutphase, die 6 bis 12 Wochen dauert und auf eine Remission abzielt, der Fortsetzungsphase, die 4 bis 9 Monate dauert und auf die Verhinderung eines Rückfalls abzielt, und der Erhaltungsphase, die Jahre dauern kann und auf die Verhinderung eines Rückfalls oder einer chronischen Depression abzielt. Die derzeitigen Behandlungsempfehlungen beruhen weitgehend auf Studien mit kurzer Laufzeit, die sich auf die akute Behandlungsphase konzentrieren. Über Nutzen und Schaden der beiden Therapieformen nach einer 12-wöchigen Behandlung ist wenig bekannt. 

In einem neuen HTA-Bericht bewertet das Swiss Medical Board die klinische Wirksamkeit, die Sicherheit und die gesundheitsökonomischen Auswirkungen von Antidepressiva und Psychotherapie allein oder in Kombination bei Patienten, die über die akute Phase hinaus behandelt werden. 

Für die Analyse der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit standen 42 Studien zur Verfügung, die meisten davon allerdings von eher geringer Qualität. Sowohl Antidepressiva als auch Psychotherapie scheinen im Vergleich zu Placebo über die akute Behandlungsphase hinaus klinisch wirksam zu sein, jedoch war keine der beiden Methoden der anderen eindeutig überlegen. Der Expertenrat kam zum Schluss, dass sowohl Antidepressiva als auch Psychotherapie erwünschte, aber unterschiedliche klinische Wirkungen haben. Die therapeutische Sicherheit und die Unterschiede zwischen erwünschten und unerwünschten Wirkungen von Antidepressiva und Psychotherapie bleiben unbekannt.

Die gesundheitsökonomische Analyse umfasste 33 Studien. Es ist anzunehmen, dass in Anbetracht der ähnlichen klinischen Wirksamkeit und der höheren Kosten der Psychotherapie eine ausschliessliche Behandlung aller Patienten mit Antidepressiva zu moderaten Einsparungen führen würde. Die Wahl der Therapie kann jedoch durch verschiedene Faktoren wie Schwere der Symptome, Patientenpräferenz, Kosten, Verfügbarkeit von Psychotherapie und Akzeptanz erheblich beeinflusst werden. Auf der Grundlage der vorliegenden Daten kommt der Expertenrat zum Schluss, dass zur Behandlung einer schweren depressiven Störung nach der akuten Phase Antidepressiva auf jeden Fall und eine Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie unter gewissen Bedingungen zu empfehlen sind.

Der Assessment- und der Appraisal-Bericht sind hier abrufbar.